6 Wasserkocher im Praxistest
Testbericht vom 27. März 2019 von Vera Sattler, Fotos: Hersteller

Wer schnell kochend heißes Wasser braucht, ist mit einem modernen Wasserkocher bestens bedient. Die Geräte arbeiten relativ schnell und erlauben eine sichere und einfache Handhabung. Aber für welches Modell entscheide ich mich, wo liegen die kleinen aber feinen Unterschiede? Wie sich die Wasserkocher in der praktischen Anwendung bewähren – wir haben es getestet.

Unsere Testkandidaten bestehen aus zwei Komponenten: einem Gerätesockel mit Kabelaufwicklung und einem Kontaktfuß, über den der aufgesetzte (kabellose und um 360° bewegbare) Wasserbehälter mit Strom versorgt wird. Die Behälter aus Edelstahl (Graef, Grundig, Klarstein, Philips und WMF) oder Kunststoff (Russell Hobbs) verfügen über einen Ausgießer mit integriertem und herausnehmbarem Kalkfilter (Ausnahme Grundig), einen Deckel zum Abnehmen (Klarstein und Russell Hobbs) oder durch Tastendruck zu öffnen (Graef, Grundig, Philips und WMF), eine Wasserstandsanzeige und einen wärme­isolierten Handgriff. Unsere Testgeräte unterscheiden sich in Größe und Design. Alle haben eine Aus/Ein-Taste, eine Betriebsleuchte und schalten automatisch ab, sobald das Wasser kocht. Sie stellen außerdem den Betrieb ein, sobald der Behälter vom Sockel genommen wird. Die Geräte sind mit einem Trockengeh- und Überhitzungsschutz ausgestattet. Eine Warmhaltefunktion haben die Testkandidaten nicht. Der Graef Wasserkocher ist zusätzlich mit einer Temperaturvorwahl und einer Kindersicherung ausgestattet; er meldet außerdem mit einem Signalton das Ende der Kochzeit.

Unsere Bewertung In unserem Praxistest bewerten wir neben der Ausstattung, Bedienung und Verarbeitung die Funktionalität, die sich aus verschiedenen Messergebnissen beim Wasserkochen zusammensetzt. Die Aufheizzeit haben wir vom Einschalten bis zum automatischen Abschalten des Geräts mit einem Liter Wasser (WMF: 0,8 Liter) gemessen; das gleiche gilt für den Stromverbrauch. Hier zeigt sich, dass die Wattleistung des jeweiligen Wasserkochers allein nichts aussagt: Hat das Gerät eine höhere Wattleistung, kocht es das Wasser in kürzerer Zeit. Bei geringerer Leistung dauert es länger bis zum Kochen, der Gesamtstromverbrauch ist jedoch identisch. Die Geräuschentwicklung haben wir im Abstand von 1 Meter in normaler Küchenumgebung bis zum automatischen Abschalten des jeweiligen Geräts gemessen und festgestellt, dass die Unterschiede zwischen den Geräten minimal sind. Ermittelt haben wir außerdem die Gehäusetemperatur beim Siedepunkt des Wassers als Hinweis auf die Isolierfähigkeit des Behältermaterials. Trotz einiger Unterschiede - bei allen kann man sich die Finger verbrennen - also Vorsicht beim Hantieren.

Graef WK 702

Der Graef Wasserkocher mit einem Edelstahlkessel hat eine feine puristische Form und kocht Wasser bis zu 1,5 Liter. Die Deckelöffnungstaste ist auf dem wärmeisolierten Griff angebracht und erlaubt das bequeme Einhandöffnen. Die Wasserstandsanzeige ist innenliegend und nicht ganz so gut zu erkennen. Als einziges Gerät bietet der WK 702 eine Temperaturvorwahl für 70°C, 80°C und Kochen und liegt damit gegenüber der Konkurrenz eine Klasse höher. Das Gerät hat eine Betriebsanzeige, die bei Erreichen des Siedepunkts erlischt und das Gerät automatisch ausschaltet. An Geräusch haben wir 58,1 dB(A) gemessen. Zum Stromverbrauch: 0,107 kWh, beziehungsweise Kosten von 3 Cent, um einen Liter Wasser zum Kochen zu bringen (aktueller Strompreis: 0,28 Euro/kWh). Das Wasser können wir ohne Tropfenbildung ausgießen; auch der integrierte Edelstahlfilter im waagerecht angeordenten Ausgießer lässt sich einfach herausnehmen, säubern und wieder einsetzen. Der Graef Wasserkocher kostet (UVP) 99,99 Euro, dafür bietet er aber als einziger Temperaturwahltasten (70 + 80°C), eine praktische Kindersicherung durch einen verdeckten Schalter auf der Unterseite und einen Signalton beim automatischen Ausschalten.

+ Signalton
+ Einhand-Deckelöffnung
+ Kindersicherung
+ Temperatur-Vorwahl
- Wasserstandsanzeige innen

Grundig Kettle WK 5620

Der Grundig Kettle WK 5620 fasst in seinem Edelstahlbehälter 1,7 Liter, die er mit einer Leistung von 2.200 Watt zum Kochen bringt. Er ist mit einer bequemen Einhandöffnung ausgestattet, mit einer Taste auf dem wärmeisolierten Handgriff. Die Wasserstandsanzeige ist unter dem Griff angebracht und gut ablesbar. Wir füllen 1 Liter Wasser ein und drücken die Start/Stopp-Taste. Nach 3:29 Minuten ist der Kochvorgang abgeschlossen, das Gerät schaltet automatisch aus und die Betriebsanzeige erlischt. Die Geräuschmessung ergibt 58,7 dB(A). Zum Stromverbrauch: 0,108 kWh, beziehungsweise 3 Cent für das Kochen von einem Liter Wasser. Auch hier können wir kleckerfrei ausgießen. Statt einem herausnehmbaren Filter hat der Wasserkocher im Ausgießer ein festes, recht grobes Edelstahlsieb, das größere Kalk- und andere Partikel zurückhält.

+ Einhand-Deckelöffnung
+ Wasserstandsanzeige außen
- Sieb nicht herausnehmbar

Klarstein Teatime

Der Wasserkocher Teatime von Klarstein hat mit 1,8 Liter das größte Fassungsvermögen unserer Testkandidaten und arbeitet mit 2.200 Watt. Der Edelstahlbehälter mit abnehmbarem Deckel erinnert charmant an einen Teekessel der 50er Jahre. Durch die Positionierung des Cool-Touch-Griffs bleibt freie Sicht auf die Wasserstandsanzeige. Auch hier füllen wir 1 Liter Wasser ein, setzten den Kessel auf die Basis und drücken die Starttaste. Die Betriebsleuchte zeigt den Kochvorgang an, der nach  3:36 Minuten automatisch endet. Mit einem Geräusch während des Kochens von 57,5 dB(A) liegt der Klarstein-Wasserkocher gut im Mittelfeld. Der Stromverbrauch: 0,109 kWh beziehungsweise 3,1 Cent. Die Tülle mit herausnehmbarem Edelstahlwasserfilter ist so konstruiert, dass auch hier das Ausgießen ohne Kleckerei gelingt. Der Klarstein Teatime ist mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 30,99 Euro das günstigste unserer Testgeräte.

+ Günstigster Preis
+ Wasserstandsanzeige außen
- Keine Einhand-Deckelöffnung

Philips HD 9350

Der Philips-Wasserkocher mit 2.200 Watt hat einen Behälter aus gebürstetem Edelstahl mit einem Fassungsvermögen von 1,7 Liter. Der große wärmeisolierte Kunststoffgriff liegt gut in der Hand. Dank Entriegelungstaste auf dem Griff kann der Kunststoffdeckel mit einer Hand geöffnet werden. Die Wasserstandsanzeige unter dem Griff ist gut ablesbar. Wir füllen 1 Liter in den Behälter mit der großen Öffnung. Sobald er auf den Sockel gesetzt und die An/Aus-Hebel betätigt wird, nimmt das Gerät seinen Betrieb auf. Der blau illuminierte Hebel leuchtet, bis nach 3 Minuten und 38 Sekunden das eingefüllte Wasser den Siedepunkt erreicht hat und das Gerät automatisch ausschaltet. Die Geräuschentwicklung während des Kochvorgangs: 57,2 dB(A). Um einen Liter Wasser zu kochen hat das Philipsgerät 0,112 kWh verbraucht, oder anders ausgedrückt: 3,1 Cent pro Liter. Der Ausgießer ist so beschaffen, dass nichts kleckert, wenn das Wasser den Behälter verlässt. Der Kalkfilter im Ausgießer lässt sich einfach herausnehmen und wieder einsetzen.

+ Einhand-Deckelöffnung
+ Wasserstandsanzeige außen

Russell Hobbs Inspire Black 24361-70

Der Inspire Black Wasserkocher bringt mit 2.400 Watt das Wasser zum Kochen. Der Behälter mit 1,7 Liter Fassungsvermögen zeigt sich in schwarzem Kunststoff mit feiner Riffelung und Elementen in Edelstahloptik. Hier muss der Deckel von Hand abgenommen werden, was dank großem Deckelgriff aber kein Problem ist. Der nach unten offene Behältergriff liegt gut in der Hand; die Wasserstandsanzeige darunter ist gut lesbar. Wir füllen 1 Liter Wasser ein, stellen den Behälter auf den Sockel und betätigen den An/Aus-Hebel, der während des Kochvorgangs leuchtet. Nach 3 Minuten und 13 Sekunden schaltet das Gerät automatisch ab und ist damit aufgrund der höheren Leistung mit kleinem Vorsprung der Schnellste in unserem Test. Wir können das kochende Wasser auch hier ohne Kleckern ausgießen. Das herausnehmbare Sieb im Ausgießer lässt sich einfach handhaben. In der Spitze haben wir einen Koch-Geräuschpegel von 55,9 dB(A) gemessen. Die weiteren Werte: Stromverbrauch 0,115 kWh oder 3,2 Cent/Liter. Darüber hinaus ist dieser Wasserkocher auch in Weiß erhältlich - dann heißt er Inspire White. 

+ Schnellste Kochzeit
+ Wasserstandsanzeige außen
- Keine Einhand-Deckelöffnung

 

 

WMF Küchenminis 0,8 Liter

Der WMF Wasserkocher aus der Serie Küchenminis fasst 0,8 Liter. Die Geräte der Serie sind bewusst für den kleinen Haushalt konzipiert und brauchen wenig Platz. Der Wasserkocher arbeitet mit maximal 1960 Watt. Der kupferfarbene trendige Behälter aus Edelstahl hat eine innenliegende Wasserstandsanzeige; etwas weniger gut zu erkennen, dafür wird aber die feine Optik nicht beeinträchtigt. In der Ausgießtülle sitzt ein herausnehmbares Sieb, das sich leicht handhaben lässt. Der Deckel wird in praktischer Ein-Hand-Bedienung durch Drücken der Entriegelungstaste am Griff geöffnet. Der Griff liegt gut in der Hand und ist wärmeisoliert. Für unseren Test füllen wir die Maximalmenge von 0,8 Liter Wasser ein und setzen den Behälter auf die Gerätebasis. Nach Betätigen der Einschalttaste leuchtet die dort integrierte Kontrollanzeige. Sie erlischt wenn die Abschaltautomatik nach dem Kochvorgang das Gerät ausschaltet. Es benötigte 3 Minuten und 17 Sekunden, um 0,8 Liter zum Kochen zu bringen. Mit 53,6 dB(A) arbeitet der WMF-Wasserkocher sehr leise. Zum Stromverbrauch: 0,094 kWh beziehungsweise 2,6 Cent für in diesem Fall 0,8 Liter.

+ Besonders leise
+ Einhand-Deckelöffnung
- Wasserstandsanzeige innen

 

 

Fazit

Bei Betrachtung der technischen Daten und unserer Messwerte sieht man, dass es zwischen den Wasserkochern nur geringe Unterschiede gibt. Auch bei der Geräuschentwicklung liegen die Wasserkocher nah beieinander; besonders leise ist der WMF mit 53,6 dB(A). Etwas komfortabler in der Bedienung sind die Geräte mit Deckelöffnung auf Knopfdruck; dafür haben die Wasserkocher mit abnehmbaren Deckel ein charmantes Retro-Design. Praktischer sind die von außen sichtbaren Wasserstandsanzeiger. Alle Wasserkocher werden bei der Arbeit außen relativ heiß - also Vorsicht. Lobenswerte Ausnahme ist der Graef, der das Außengehäuse nur auf 62,5°C aufheizt und somit über die beste Isolierung verfügt, zusätzlich mit seiner Temperaturvorwahl auch der teuerste im Test ist und eine Klasse höher eingestuft wird. Kurz und gut: Es gibt keinen Ausreißer nach oben oder unten, und so ist es neben dem Preis (Graef mit Temperaturwahl 99,99 Euro, Grundig 59,99 Euro, Klarstein 30,99 Euro, Philips und Russell Hobbs je 49,99 Euro, WMF 79,99 Euro) letztlich auch eine Frage der Optik, welchen Wasserkocher die Küchentheke zieren soll. Nostalgisches Flair, dezente Funktionalität oder puristische Moderne - die Auswahl ist groß und jeder findet hier sicher seinen Favoriten.

Technische Daten

Technische Daten
Hersteller Graef Grundig Klarstein Philips Russell Hobbs WMF
Bezeichnung WK 702 WK 5620 Teatime HD9350 Inspire Black 24361-70 Küchenminis 0,8 Liter
Preis (UVP) Euro 99,99 59,99 30,99 49,99 49,99 79,99
Max. Leistungsaufnahme Watt 2200 2200 2200 2200 2400 1960
Fassungsvermögen Liter 1,5 1,7 1,8 1,7 1,7 0,8
Behältermaterial Edelstahl Edelstahl Edelstahl Edelstahl Kunststoff Edelstahl
Deckel auf Knopfdruck Ja Ja Nein Ja Nein Ja
Wasserstandsanzeige Innen Außen Außen Außen Außen Innen
Kalkfilter herausnehmbar Ja Nein Ja Ja Ja Ja
Abschaltautomatik Ja Ja Ja Ja Ja Ja
360° Basis Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Kabelaufwicklung Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Start/Stopp Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Warmhaltefunktion Nein Nein Nein Nein Nein Nein
Signaltöne Ja Nein Nein Nein Nein Nein
Kontrollleuchten Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Kindersicherung Ja Nein Nein Nein Nein Nein
Temperaturvorwahl 70, 80, 100 Nein Nein Nein Nein Nein
Trockengehschutz Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Kabellänge 0,70 0,85 0,75 0,75 0,9 0,75
Behältergewicht g 1168 773 806 865 931 854
Geräuschentwicklung dB(A) 58,1 58,7 57,5 57,2 55,9 53,6
Kochdauer 1 l Wasser 03:36 03:29 03:36 03:38 03:13 03:17 (0,8 l)
Energieverbrauch 1 l Wasser kochen 0,107 kWh 0,108 kWh 0,109 kWh 0,112 kWh 0,115 kWh 0,094 kWh
Kosten 1 l Wasser kochen (0,28 €/kWh) 0,030 0,030 0,031 0,031 0,032 0,026
Standby-Verbrauch Watt 0 0 0 0 0 0
Außentemperatur bei kochendem Wasser 62,5°C 94,7°C 91,7°C 94°C 73°C 94°C