Leichter E-Scooter mit Straßenzulassung:
Digger ES1 im Praxistest
Test-Redakteur: Marius Donadello, 29.04.2022, Fotos: Technikzuhause, MAS

Mal eben schnell zur S-Bahn und ins Büro - E-Scooter sind ein praktisches Verkehrsmittel auf kurzen Wegen. Wer mit dem Kauf so eines Flitzers liebäugelt, sollte ein paar Dinge beachten: Sicherheit, Gewicht und Fahrkomfort stehen im Vordergrund, wenn der Funfaktor nicht auf der Strecke bleiben soll. Der Digger ES1 punktet als Leichtgewicht in Sachen Ausstattung und schont obendrein den Geldbeutel. Technik zu Hause hat getestet, ob sich der Newcomer in der Praxis bewährt.

Leicht und flott unterwegs sein, das liegt im Trend. In der Stadt individuell mobil bleiben oder einen kleinen Ausflug ins Grüne machen - Scooter bieten für kurze Wege eine praktikable Lösung. Besonders bequem ist natürlich ein Modell mit elektrischem Antrieb. Auch damit fährt man vergleichsweise umweltschonend und bereut den Griff zum Roller nicht bei jeder kleinsten Steigung. Allerdings bringen E-Scooter wegen des Motors und der Batterie einige Kilo mehr auf die Waage - das kennt man von E-Bikes. Manch größeres Exemplar lässt kaum über ein paar Treppenstufen bugsieren oder zusammengeklappt unter den Arm nehmen.

Der Digger ES1 wiegt zwar etwa doppelt so viel wie die meisten Tretroller für Erwachsene, ist aber mit seinen 11,6 Kilogramm unter den E-Scootern ein Leichtgewicht. Den Spitznamen »Digger läuft« haben wir uns übrigens nicht ausgedacht - das große Modell heißt »ES2 Digger jubelt«. Digger tritt mit einem Augenzwinkern in den Markt, um die Konkurrenz in Sachen Preis-Leistung herauszufordern - eine attraktive Aussicht, immerhin ist ein hochwertiger E-Scooter in der Regel mit einer gewissen Investition verbunden. Wie gut der preisgünstige Newcomer wirklich läuft, haben wir über einen Zeitraum von zwei Wochen hinweg ausführlich getestet.

Doch was spricht überhaupt für den Kauf eines E-Scooters, wenn in der Großstadt an jeder Ecke ein Miet-Roller wartet? Zum einen steht der nicht immer vor der Haustür, und zum anderen ist das Angebot in kleineren Städten ähnlich dünn gesät wie beim Carsharing: Dort, wo man sie am meisten braucht, sind sie nach wie vor kaum vorhanden. Berücksichtigen sollte man auch, dass sich die Kosten für Mietangebote bei regelmäßiger Nutzung ordentlich summieren können.

Zudem sind Bedenken wegen der Fahrsicherheit von Miet-Rollern durchaus verständlich: Sie sind permanent unterschiedlichen Witterungsverhältnissen ausgesetzt und werden zuweilen nicht gerade pfleglich behandelt. Und mal Hand aufs Herz: Wer überprüft schon jedesmal vor Fahrtantritt gewissenhaft, ob mit dem Gefährt alles in Ordnung ist?

Digger ES1 – Sicherheitsausstattung

Dank seines geringen Gewichts ist der Digger ES1 ein idealer Begleiter auf dem Weg zu öffentlichen Verkehrsmitteln

Der Digger ES1 bringt alles mit, was für eine sichere Fahrt wichtig ist: Er hat an der Lenksäule einen großen Reflektor und einen sehr hellen, mit handelsüblichen Batterien betriebenen LED-Scheinwerfer, der sich abnehmen lässt. Die Halterungen für den Reflektor und den Front-Scheinwerfer sind im Handumdrehen angebracht, das hell leuchtende Rücklicht ist fest am Schutzblech montiert. Zudem befinden sich Reflektoren an den Seiten der Trittfläche, sodass man von anderen Verkehrsteilnehmern bei Dunkelheit aus allen Blickwinkeln heraus gut sichtbar ist. Mit seiner Straßenzulassung sammelt der ES1 einen weiteren Pluspunkt, denn E-Scooter ohne Straßenzulassung dürfen nur auf Radwegen und in Fahrradstraßen gefahren werden. Generell empfiehlt es sich, zur eigenen Sicherheit einen Schutzhelm zu tragen, obwohl hierzulande keine Helmpflicht für E-Scooter besteht. Demgegenüber sind elektrisch angetriebene Modelle versicherungspflichtig, die Kosten hierfür sind jedoch vernachlässigbar.

Ein in puncto Fahrsicherheit sehr wichtiges Ausstattungsmerkmal des ES1 wird mit dem roten Hebel links am Lenker bedient: Er steuert eine elektrische Motorbremse, die auf das Vorderrad wirkt. Deren richtige Dosierung ist anfangs etwas Übungssache, man sollte sich gut am Lenker festhalten, wenn die Bremse bissig zupackt: Sie bringt den ES1 bei einer Vollbremsung auf ebener Strecke und trockenem Untergrund aus voller Geschwindigkeit nach circa fünf Metern zum Stillstand! Nichtsdestotrotz verfügt der Digger zusätzlich über eine Fußbremse, die in das hintere Schutzblech integriert ist.

Funktionsmerkmale

Zusammengeklappt lässt sich der handliche Scooter gut verstauen und mit in Bus oder Bahn nehmen

Außer der einfachen Montage der Beleuchtung gibt es vor der ersten Inbetriebnahme kaum etwas zu tun, denn der ES1 wird vormontiert geliefert. Lediglich die beiden Handgriffe müssen noch auf die Enden des Lenkers gesteckt werden, deutliche Markierungen beugen hierbei einer Verwechslung der Seiten vor. An der rechten Seite des Lenkers befindet sich der Antriebshebel, der die Motorleistung steuert. Ein wenig Fingerspitzengefühl schadet auch hierbei nicht, denn in der höchsten Fahrstufe beschleunigt der ES1 sehr schnell. Ungeübte fahren anfangs mit den anderen zwei Modi womöglich besser: Der Digger bietet drei Geschwindigkeitsstufen, die sich mithilfe eines kleinen Tasters unterhalb des Displays auswählen lassen. In der ersten Fahrstufe geht es gemütlich zu, der Scooter erreicht eine maximale Geschwindigkeit von 7 km/h, die zweite beschleunigt ihn auf maximal 11 km/h - gefühlt schon ein deutlicher Unterschied. In Stufe drei fährt der ES1 dann auf ebener Strecke bis zu 20 km/h schnell - das ist sehr flottes Vorankommen und macht richtig Spaß. Hier setzt dann auch der Gesetzgeber die Grenze, E-Scooter mit Straßenzulassung dürfen in Deutschland eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h nicht überschreiten.

Das schon angesprochene, mittig im Lenker positionierte LED-Display zeigt diese drei Fahrstufen mit einem Kreis, in dem der Buchstabe »S« steht, an, wobei der Kreis die Modi jeweils farblich (weiß, orange, rot) kennzeichnet. Außerdem informiert die Anzeige über den Ladestatus, was im Alltag praktisch unverzichtbar ist. Positiv ist auch zu vermerken, dass das Display angenehm groß, sehr hell und kontraststark ist und daher auch bei Sonnenschein während der Fahrt ausgezeichnet lesbar bleibt.

Der Lithium-Ionen-Akku des ES1 ist mit seiner angegebenen Leistungsabgabe von 180 Wattstunden für den Motor mit einer Nennleistung von 250 Watt adäquat dimensioniert; er wird mit einem 42 Volt-Netzteil geladen, das an das normale Hausstromnetz angeschlossen wird. Um im Fall der Fälle mal schnell einen Ladebalken mehr auf das Display zu bekommen, reicht schon ein kurzes »Auftanken« von etwa zwanzig Minuten. Einen bis zur Abschaltung des Scooters leer gefahrenen Akku haben wir binnen rund zweieinhalb Stunden wieder voll aufgeladen - damit kommt man in allen Alltagssituationen bestens zurecht. Apropos Abschaltung: Der ES1 wechselt in einen Sicherheitsmodus, bevor sein Akku einen Ladestand erreicht, der einem Balken im Display entspricht. Danach kann er wieder eingeschaltet werden, gibt jedoch nur die langsame Fahrstufe frei. Diese Funktion verlängert die Lebensdauer des Akkus - vor allem aber wird so dem Umstand Rechnung getragen, dass die Bremswirkung der elektrischen Motorbremse bei sehr niedrigem Akkustand deutlich vermindert ist.

 

Reichweite

Der rote Hebel steuert eine elektrische Motorbremse, die den Digger ES1 aus voller Geschwindigkeit nach wenigen Metern zum Stehen bringt

Falls der Akku mal vollständig entleert sein sollte und sich der Scooter ganz ausgeschaltet hat, hilft natürlich nur Treten wie bei einem Roller ohne Antrieb - oder Schieben. Wenn man den ES1 wie einen konventionellen Tretroller benutzt, wird daraus doch eine eher sportliche Angelegenheit. Das liegt daran, dass er - wie viele andere E-Scooter auch - keinen Freilauf hat und deshalb das Schleppmoment des Motors ordentlich ausbremst. Schieben ist in solchem Fall die bessere Alternative: Dabei macht sich dieser Effekt nicht allzu sehr bemerkbar und das moderate Gewicht des ES1 kommt einem sehr entgegen.
Auf kürzeren Strecken, für die E-Scooter grundsätzlich konzipiert sind, wird man allerdings kaum in eine solche Verlegenheit kommen, denn wir können anhand unserer zahlreichen Ausfahrten die vom Hersteller angegebene Reichweite von mindestens zwölf Kilometern bei ebener Strecke bestätigen - und das gilt für konstant Vollgas. Eine etwa einen Kilometer lange Strecke mit 7% Steigung hat dagegen einen Akku-Balken verzehrt. Dennoch ist diese Leistung allemal respektabel, zumal der ES 1 bei diesem beträchtlichen Anstieg eine Geschwindigkeit von 15 km/h halten konnte. Vor allem darf man nicht vergessen, dass der angezeigte Energieverbrauch im Verhältnis zur Kapazität des Akkus steht. An dieser Stelle entscheiden die eigenen Prioritäten zwischen Handling und Reichweite: Eine wesentlich stärkere Batterie ist deutlich schwerer und größer. Ultimative Akku-Power lässt sich deshalb nicht in einem leichten, handlichen Modell unterbringen.
Wenn es richtig bergab geht, überschreitet der ES1 trotz des Gefälles nie seine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h - die Motorbremse greift hier wegen der gesetzlichen Vorschrift feinfühlig ein. Dabei findet keine Rekuperation, sprich Rückgewinnung der Bremskraft, statt - ein grundsätzlich sinnvoll erscheinendes Feature, das jedoch generell auch in höheren Preisklassen nur selten angeboten wird.

Digger ES1 – Fahreindruck

Das Display zeigt die gefahrene Geschwindigkeit, den Fahrmodus und den Akkustand an. Es ist auch bei hellem Tageslicht während der Fahrt ausgezeichnet lesbar

Mithilfe des Arretierungshebels für seinen soliden Faltmechanismus kann der ES1 schnell und buchstäblich mit nur zwei Handgriffen eingeklappt beziehungsweise fahrbereit gemacht werden. Danach genügt ein kurzes Anschieben wie bei einem Tretroller und ein sanftes Betätigen des Antriebshebels, um loszudüsen. Gibt man dann mehr Gas, beschleunigt der drehmomentstarke Motor des ES1 absolut gleichmäßig. Der Antriebshebel reagiert sehr empfindlich, daher kann es schon mal ein wenig ruckeln, wenn die Antriebsenergie zurückgenommen wird, bevor man den Bogen raus hat.
Wir haben den ES1 auf Radwegen und öffentlichen Straßen gefahren und dabei festgestellt, dass er Unebenheiten und kleine Risse ausgezeichnet wegsteckt. Hier macht sich der vordere, 8 Zoll große Luftreifen bezahlt, der für eine gute Straßenlage sorgt und viel weniger Vibrationen auf den Lenker überträgt als ein Hartgummi- oder Kunststoff-Reifen. Infolgedessen ermöglicht der ES1 auch auf mittelprächtigen Belägen entspanntes Fahren.
Und wenn der Fahrweg schön ebenmäßig ist, fühlt sich die Fahrt auf dem ES1 wie ein sanftes Dahingleiten an. Gleichzeitig vermittelt er ein gutes Gefühl für die Bodenbeschaffenheit, was für das subjektive Sicherheitsempfinden eine große Rolle spielt. Die Lenkung spricht ziemlich direkt an, sodass sich der Digger problemlos durch enge Kurven steuern lässt, in die man sich als geübter Fahrer dank der breiten, griffigen Räder auch gern etwas »reinlegen« darf - der ES1 hat die Gene eines kleinen Flitzers und bereitet jede Menge Fahrspaß. Im Gegenzug hat man es hier mit der Agilität glücklicherweise nicht übertrieben, denn das wäre auf Dauer ein Stressfaktor. Somit können wir den ES1 rundum ausgewogene Fahreigenschaften attestieren, die den Bedürfnissen von Neulingen und versierten Nutzern gleichermaßen entsprechen.

In das Schutzblech ist eine Fußbremse integriert
Der Faltmechanismus wird einfach mit diesem Hebel gelöst

Fazit

Der Digger ES1 ist sehr gut verarbeitet und kann in der Praxis in jeder Hinsicht voll überzeugen. Dank kompakter Abmessungen und moderatem Gewicht eignet er sich auch als täglicher Begleiter auf dem Weg zu öffentlichen Verkehrsmitteln. Die durchschnittliche Reichweite von 15 Kilometern ist für alle Alltagssituationen praxistauglich, zumal ein vollständiger Ladezyklus weniger als drei Stunden dauert. Besonders nützlich ist die Anzeige des Akku-Ladestands im gut lesbaren Display. In puncto Sicherheit ist die elektrische Motorbremse ein echtes Highlight: Ihre Bremswirkung ist sensationell. Die Fahreigenschaften des ES1 sind völlig ausgewogen, er gestattet ein sehr agiles Fortkommen und bietet gleichzeitig ausgezeichneten Fahrkomfort, der auch Scooter-Neulingen ein entspanntes Ankommen ermöglicht.